Wie lassen sich gewachsene Strukturen einer international führenden Kulturinstitution so weiterentwickeln, dass künstlerische Qualität, organisatorische Leistungsfähigkeit und öffentliche Verantwortung auch künftig zusammenwirken? Mit diesen Fragen befasste sich eine Organisationsuntersuchung der Bayerischen Staatsoper, die METRUM 2025 im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst durchführte.
Die Bayerische Staatsoper zählt zu den renommiertesten Opernhäusern der Welt. Rund 1.000 Mitarbeitende sorgen dafür, dass an 362 Tagen im Jahr ein anspruchsvolles und vielseitiges Programm aus Oper, Ballett und Konzerten auf mehreren Bühnen realisiert wird. Professionelle Teams aus verschiedenen Gewerken greifen vor und hinter der Bühne eng ineinander und wirken unter anspruchsvollen zeitlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen zusammen. Eine Organisationsuntersuchung macht diese Zusammenhänge sichtbar: Sie zeigt, wie künstlerische Exzellenz in einem hochkomplexen Betrieb entsteht und wo Strukturen, Prozesse oder Rollen gezielt weiterentwickelt werden können.
Im Mittelpunkt des Projekts standen nicht künstlerisch-programmatische Fragen, sondern die organisatorischen, personellen und prozessualen Grundlagen des Betriebs. METRUM verbindet dafür analytische Arbeit mit einem dialogischen Vorgehen. Im Rahmen des Projekts haben wir Gespräche mit relevanten Akteur:innen geführt, Dokumente und Daten ausgewertet, Strukturen und Abläufe nachvollzogen, Produktionen miterlebt und die Erkenntnisse zu einer belastbaren Entscheidungsgrundlage verdichtet. So entsteht ein Gesamtbild, das sowohl die Perspektive des Trägers als auch die institutionelle Realität vor Ort berücksichtigt.
Bei Organisationsuntersuchungen dieser Art sind für METRUM drei Punkte entscheidend:
Wir beraten aus betriebswirtschaftlicher und organisationsbezogener Perspektive. Künstlerisch-programmatische Entscheidungen stehen nicht im Zentrum unserer Beratung; zugleich bringen wir ein tiefes Verständnis für die besonderen Arbeitsweisen, Qualitätsansprüche und Abhängigkeiten künstlerischer Betriebe mit.
Wir schaffen eine faktenbasierte, nachvollziehbare und anschlussfähige Analyse der Ausgangssituation. Gerade in komplexen Organisationen ist es entscheidend, dass Leitung, Träger und weitere Akteur:innen ein gemeinsames Verständnis und eine belastbare Grundlage für die weitere Entwicklung gewinnen.
Wir entwickeln Empfehlungen nicht am Reißbrett, sondern im Austausch mit den Menschen, die die Organisation tragen. Nachhaltige Veränderung entsteht dort, wo externe Analyse mit institutioneller Erfahrung und dem Wissen der Mitarbeitenden zusammengeführt wird.
Das Projekt an der Bayerischen Staatsoper steht damit für ein zentrales Arbeitsfeld von METRUM: Wir unterstützen Kulturinstitutionen und ihre Träger dabei, gewachsene Strukturen zu verstehen, Entwicklungsbedarfe zu priorisieren und tragfähige Grundlagen für strategische Entscheidungen zu schaffen. Typische Themen sind Leitungs- und Entscheidungsstrukturen, Aufgaben- und Rollenklärungen, zentrale Managementprozesse, Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg sowie Fragen von Personal, Ressourcen und organisatorischer Zukunftsfähigkeit.
Gerade bei leistungsfähigen und öffentlich sichtbaren Institutionen geht es dabei nicht um einfache Problembeschreibungen, sondern um differenzierte Entwicklungsarbeit. Eine externe Organisationsuntersuchung kann Komplexität ordnen und Entscheidungsräume eröffnen, ohne die künstlerische Eigenlogik der Institution aus dem Blick zu verlieren. Wir hatten viel Freude daran, diese Aufgabe wahrzunehmen und die Mitarbeitenden der Staatsoper bei der Gestaltung ihrer künftigen Arbeit zu unterstützen.
An dem Projekt haben von METRUM Dr. Benjamin Andrae, Peter Gartiser, Theresa Schnell, Dr. Matthew Hines und Dr. Johannes von Hülsen mitgewirkt.
